
Lieferantenkredit erklärt: So lässt sich die Zeit zwischen Lieferantenzahlung und Kundeneingang überbrücken
Sub heading: Lieferantenkredit, Reverse Factoring und Factoring können alle das Betriebskapital entlasten, setzen aber an unterschiedlichen Stellen im Zahlungszyklus an. Wer versteht, was jeweils finanziert wird, kann die Möglichkeiten besser vergleichen.
Ausführlicher Leitfaden
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Eine Lieferantenrechnung kann geschäftlich völlig unkompliziert sein und trotzdem zu einem Finanzierungsproblem führen. Der Lieferant verlangt die Zahlung vor Versand, Produktionsbeginn oder Lieferung, während die entsprechenden Kundeneinnahmen vielleicht erst 30, 60 oder 90 Tage später eingehen. In dieser Zeit ist Liquidität bereits in Warenbestand, Transport und laufenden Betrieb gebunden.
Lieferantenkredit, die Finanzierung von Lieferantenzahlungen, häufig auch als Reverse Factoring bezeichnet, und Factoring können helfen, diese zeitliche Lücke zu überbrücken. Austauschbar sind die Modelle jedoch nicht. Sie setzen an unterschiedlichen Stellen im Zahlungszyklus an, beziehen jeweils andere Parteien ein und hängen von unterschiedlichen geschäftlichen und finanziellen Voraussetzungen ab.
Für Schweizer Unternehmen, die Lieferanten im Ausland bezahlen, kommt zur Finanzierungsfrage oft noch die Währungsfrage hinzu. Der Lieferantenkredit von SwissFx verbindet beispielsweise die Finanzierung geeigneter Lieferantenrechnungen mit der Zahlung in der vom Lieferanten gewünschten Währung. Das kann besonders dann sinnvoll sein, wenn Liquiditätsbedarf und internationale Zahlung gleichzeitig anfallen.
Die Liquiditätslücke entsteht durch den zeitlichen Abstand zwischen Ausgaben und Einnahmen
Wie viel Betriebskapital ein Unternehmen benötigt, hängt stark davon ab, wann Geld abfliesst und wann es wieder eingeht. Ein Hersteller bezahlt möglicherweise Bauteile noch vor Produktionsbeginn, bindet während des Transports weiteres Kapital im Warenbestand und räumt seinen Kunden anschliessend Zahlungsziele ein. Bei einem wachsenden Importeur wiederholt sich dieser Ablauf mit zunehmenden Bestellvolumen immer wieder.
Die erste Frage lautet deshalb: An welcher Stelle im Zahlungszyklus soll Entlastung geschaffen werden? Ein Unternehmen möchte vielleicht die Zahlung an den Lieferanten hinauszögern, den Lieferanten pünktlich bezahlen, ohne sofort die eigene Liquidität zu belasten, oder Kundenzahlungen früher erhalten. Das sind drei unterschiedliche Ziele.
Gut zu wissen
Eine Finanzierung hebt die eigentliche Zahlungsverpflichtung nicht auf. Sie verändert lediglich, wann Geld fliesst, wer die Finanzierung bereitstellt und welche Rechnung oder Geschäftsbeziehung der Finanzierung zugrunde liegt.
Lieferantenkredit, Reverse Factoring und Factoring setzen an unterschiedlichen Stellen an
Der Unterschied wird deutlich, wenn man die drei Modelle direkt vergleicht. Beim Lieferantenkredit erhält der Käufer mehr Zeit für die Zahlung. Beim Reverse Factoring wird der Lieferant sofort bezahlt, während der Käufer den Betrag später an den Finanzierungspartner zurückzahlt. Beim Factoring erhält der Verkäufer Geld aus bereits gestellten, geeigneten Kundenrechnungen früher.
Lösung | Was wird finanziert? | Direkte Auswirkung auf die Liquidität | In der Regel initiiert durch |
|---|---|---|---|
Lieferantenkredit | Zahlungsziel des Lieferanten | Geld fliesst beim Käufer später ab | Lieferant und Käufer |
Finanzierung von Lieferantenzahlungen / Reverse Factoring | Genehmigte Lieferantenrechnung | Lieferant wird bezahlt, Käufer zahlt später zurück | Käufer |
Factoring | Bereits gestellte, geeignete Kundenrechnungen | Kundenzahlung fliesst früher zu | Verkäufer |
Beim Lieferantenkredit zahlt der Käufer später
Ein Lieferantenkredit entsteht, wenn ein Lieferant Waren oder Dienstleistungen liefert, dem Käufer aber ein späteres Zahlungsziel einräumt. Üblich sind beispielsweise 30, 60 oder 90 Tage. Eine Bank oder ein separater Finanzierungspartner ist dafür nicht zwingend nötig: Der Lieferant finanziert den Käufer für den vereinbarten Zeitraum faktisch selbst.
Der grösste Vorteil ist die einfache Abwicklung. Die Finanzierung ist direkt Teil der Geschäftsbeziehung. Zahlungsziele können mit der Bestellung vereinbart werden, ohne dass dafür zwingend separate Zinsen ausgewiesen werden. Der Käufer behält seine Liquidität länger und kann die Zahlung besser auf Produktion oder Weiterverkauf abstimmen.
Der Nachteil: Der Lieferant trägt die Wartezeit und das Ausfallrisiko. Hat er selbst nur begrenzte Liquidität oder geringe Margen, kann er längere Zahlungsziele ablehnen, Bestellmengen begrenzen oder die zusätzlichen Kosten in den Preis einrechnen. Ausserdem kann dem Käufer ein Skonto für frühzeitige Zahlung entgehen.
Ein Lieferantenkredit eignet sich daher vor allem dann, wenn die Geschäftsbeziehung etabliert ist, der Lieferant die spätere Zahlung verkraften kann und die Konditionen für beide Seiten weiterhin passen.
Gesamtkosten prüfen
„Keine ausgewiesenen Zinsen“ bedeutet nicht automatisch „keine Kosten“. Verglichen werden sollten der angebotene Preis, mögliche Skonti, Regelungen bei verspäteter Zahlung und der Wert der bestehenden Geschäftsbeziehung.
Beim Reverse Factoring wird der Lieferant bezahlt, der Käufer zahlt später zurück
Die Finanzierung von Lieferantenzahlungen, häufig als Reverse Factoring bezeichnet, wird vom Käufer angestossen. Der Käufer richtet eine Finanzierung ein, eine geeignete Lieferantenrechnung wird genehmigt und ein Finanzierungspartner bezahlt den Lieferanten. Der Käufer zahlt den Betrag zu einem später vereinbarten Termin an den Finanzierungspartner zurück.
Diese Struktur kann beide Seiten entlasten. Der Lieferant erhält sein Geld gemäss den vereinbarten Konditionen, während der Käufer seine Liquidität länger im Unternehmen halten kann. Anders als beim Lieferantenkredit muss der Lieferant die verlängerte Zahlungsfrist nicht selbst finanzieren.
Grenzen ergeben sich durch Bonitätsprüfung und die Eignung der jeweiligen Transaktion. Es handelt sich nicht um einen frei verfügbaren Kredit. Unterlagen, Compliance-Prüfungen, Kreditlimits und Konditionen spielen eine Rolle, und einzelne Lieferanten oder Rechnungen müssen möglicherweise separat genehmigt werden. Zudem bleibt die Rückzahlung zum vereinbarten Termin fällig, auch wenn erwartete Kundenzahlungen später eingehen als geplant.
Diese Lösung kann zu einem etablierten Unternehmen passen, das eine konkrete Lieferantenrechnung, eine vorübergehende Liquiditätslücke und einen Lieferanten mit kurzfristigem Zahlungsbedarf hat. Weniger geeignet ist sie bei einem unspezifischen Finanzierungsbedarf oder wenn die Rückzahlungsfähigkeit nicht ausreichend belegt werden kann.
Bei internationalen Einkäufen zählt nicht nur der Zeitpunkt, sondern auch die Abwicklung
Die Finanzierung von Lieferantenzahlungen bei SwissFx ist für geeignete Lieferantenrechnungen ausgelegt und kann über den Finanzierungspartner Zahlungen in mehr als 140 Währungen ermöglichen. So lassen sich Finanzierung und Zahlung in der vom Lieferanten gewünschten Währung miteinander verbinden. Das kann besonders relevant sein, wenn Lieferanten in Schwellenländerwährungen finanziert werden oder ein Lieferant eine Vorauszahlung verlangt, bevor die Ware freigegeben wird.
Factoring macht aus offenen Kundenrechnungen früher verfügbare Liquidität
Factoring setzt auf der anderen Seite des Zahlungszyklus an. Ein Unternehmen verkauft oder überträgt geeignete Kundenforderungen an einen Factor und erhält dafür bereits vor dem eigentlichen Fälligkeitstermin einen Vorschuss. Sobald der Kunde bezahlt, wird der verbleibende Betrag gemäss Factoring-Vereinbarung abgerechnet, abzüglich Gebühren und weiterer vereinbarter Kosten.
Der Vorteil: Bereits bestehende Forderungen werden schneller zu Liquidität. Das Geld kann zum Beispiel für Löhne, Warenbestände oder Lieferantenzahlungen eingesetzt werden, ohne dass der Lieferant länger auf sein Geld warten muss. Je nach Modell übernimmt der Factor zusätzlich das Forderungsmanagement oder Inkasso.
Die Einschränkung: Es muss bereits eine geeignete Kundenrechnung vorliegen. Erwartete Umsätze oder künftige Einnahmen, die noch nicht fakturiert wurden, lassen sich in der Regel nicht über Factoring finanzieren. Wie viel Liquidität zur Verfügung steht und welche Kosten entstehen, hängt unter anderem von den Konditionen, der Bonität der Kunden und der Verteilung der Forderungen auf den Kundenstamm ab. Je nach Modell tritt der Factor auch direkt mit den Kunden in Kontakt, was die Kundenbeziehung beeinflussen kann.
Factoring kann zu Unternehmen passen, die regelmässig Forderungen gegenüber bonitätsstarken Kunden haben und den Zahlungseingang beschleunigen möchten. Es ist jedoch kein direkter Ersatz für die Finanzierung von Lieferantenzahlungen, wenn unmittelbar eine Rechnung vor Versand bezahlt werden muss und noch keine geeigneten Kundenforderungen bestehen.
Wichtiger Unterschied
Die Finanzierung von Lieferantenzahlungen beginnt mit einer genehmigten Lieferantenrechnung. Factoring beginnt mit einer geeigneten Kundenrechnung. Beide Modelle arbeiten also mit Rechnungen, finanzieren aber unterschiedliche Seiten des Zahlungszyklus.
Praxisbeispiel: Eine Bestellung über 500'000 CNY im Vergleich
Ein Schweizer Hersteller bestellt Komponenten im Wert von 500'000 CNY bei einem chinesischen Lieferanten. Der Lieferant verlangt die Zahlung vor dem Versand. Das Schweizer Unternehmen produziert und verkauft die fertigen Waren anschliessend weiter und erwartet die entsprechenden Kundeneinnahmen in CHF rund 90 Tage später. Die Finanzierungslücke beträgt damit ungefähr 90 Tage.
1. Wenn das Unternehmen einen Lieferantenkredit vereinbart
Der chinesische Lieferant räumt ein Zahlungsziel von 90 Tagen ein. Der Schweizer Käufer behält seine Liquidität in dieser Zeit und bezahlt die Rechnung erst zum vereinbarten späteren Termin.
Die Abwicklung ist vergleichsweise einfach, setzt aber voraus, dass der Lieferant die Wartezeit und das damit verbundene Ausfallrisiko akzeptiert. Der Käufer sollte deshalb prüfen, ob sich Preis oder Skonto durch das längere Zahlungsziel verändern und wie dieser Effekt im Verhältnis zur gewonnenen Liquidität steht.
2. Wenn das Unternehmen die Lieferantenzahlung finanziert
Nach Genehmigung bezahlt der Finanzierungspartner von SwissFx die 500'000 CNY direkt an den chinesischen Lieferanten. Die Komponenten können dadurch freigegeben werden, ohne dass der Käufer 90 Tage auf eigene Kundeneinnahmen warten muss.
Das Schweizer Unternehmen zahlt die Finanzierung zum vereinbarten Termin in CHF zurück und kann seine Liquidität während der Produktion anderweitig nutzen. Es sollte jedoch sicherstellen, dass die erwarteten CHF-Einnahmen für die Rückzahlung ausreichen, und die geltenden Konditionen für die Währungsumrechnung prüfen.
3. Wenn das Unternehmen Factoring nutzt
Dafür müssen bereits geeignete Kundenrechnungen vorhanden sein. Hat das Unternehmen offene Forderungen aus anderen, bereits abgeschlossenen Verkäufen, kann es diese möglicherweise über Factoring vorfinanzieren und den Vorschuss für die Zahlung an den chinesischen Lieferanten einsetzen.
Erwartet das Unternehmen dagegen lediglich Einnahmen aus Waren, die noch gar nicht produziert oder verkauft wurden, steht für diese Transaktion noch keine Kundenforderung zur Verfügung. Factoring kann dann noch nicht eingesetzt werden.
Die Finanzierung der 90-Tage-Lücke beseitigt das Währungsrisiko nicht
Das Beispiel zeigt, warum Finanzierung und Währungsfragen gemeinsam betrachtet werden sollten. Der Lieferant verlangt CNY, während die erwarteten Einnahmen in CHF eingehen. Ein Multi-Währungskonto kann dabei helfen, Guthaben in verschiedenen Währungen zu verwalten. SwissFx bietet zudem je nach unterstützter Währung lokale und internationale Zahlungswege an.
Checkliste: Entscheidend ist, welche Lösung zum Geschäft passt
Welche Lösung am besten passt, kann sich von Geschäft zu Geschäft unterscheiden. Ein Unternehmen kann etwa bei einem langjährigen inländischen Lieferanten einen klassischen Lieferantenkredit nutzen, eine grössere Auslandsbestellung über eine Finanzierung von Lieferantenzahlungen abwickeln und für andere Kundenforderungen Factoring einsetzen. Diese Modelle können nebeneinander bestehen, solange Verpflichtungen, Kosten und Zuständigkeiten klar geregelt sind.
Praxistipp
Tragen Sie die wichtigsten Termine auf einer Seite zusammen: Fälligkeit der Lieferantenrechnung, Auszahlung der Finanzierung, Rechnungsstellung an den Kunden, erwarteter Zahlungseingang und Rückzahlungstermin. Eine solche Zeitleiste zeigt oft schnell, ob die Finanzierung tatsächlich die richtige Lücke überbrückt.
So funktioniert die Finanzierung von Lieferantenzahlungen bei SwissFx
Der Unternehmenskredit von SwissFx ist speziell für geeignete Lieferantenrechnungen ausgelegt. Nach Genehmigung bezahlt der Finanzierungspartner von SwissFx den Lieferanten direkt in der benötigten Währung. Das Unternehmen zahlt den finanzierten Betrag je nach Vereinbarung bis zu 150 Tage später in seiner eigenen Währung zurück.
Für ein Schweizer Unternehmen bedeutet das beispielsweise: Der Lieferant kann in CNY, USD oder einer anderen unterstützten Währung bezahlt werden, während die Rückzahlung in CHF erfolgt.
So erhält der Lieferant sein Geld, ohne selbst ein längeres Zahlungsziel gewähren zu müssen, während der Käufer seine Liquidität während des laufenden Geschäftszyklus im Unternehmen behalten kann. SwissFx unterstützt Lieferantenzahlungen in mehr als 140 Währungen, wobei die verfügbaren Zahlungswege von Währung und Transaktion abhängen.
Unternehmen können grundsätzlich infrage kommen, wenn sie folgende Kriterien erfüllen:
mindestens 1 Mio. GBP Betriebsumsatz pro Jahr
materielles Nettovermögen von mindestens 100'000 GBP
mindestens zwei Jahre Geschäftstätigkeit.
Das Erfüllen dieser Kriterien garantiert keine Zusage. Voraussetzungen, Kreditlimiten, Konditionen, Rückzahlungsfristen und weitere Bedingungen werden im Rahmen der Bonitätsprüfung festgelegt. Auch einzelne Lieferanten und Rechnungen können zusätzlichen Genehmigungen, Dokumentationspflichten und Compliance-Prüfungen unterliegen.
Mehr erfahren
Unser Leitfaden zur Unternehmensfinanzierung erklärt die Finanzierungsstruktur im Detail. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt ausserdem, wie eine Finanzierung von Lieferantenzahlungen beantragt wird.
Den richtigen Teil des Zahlungszyklus finanzieren
Lieferantenkredit, Reverse Factoring und Factoring setzen alle beim zeitlichen Abstand zwischen Ausgaben und Einnahmen an, jedoch an unterschiedlichen Stellen im Zahlungszyklus. Welche Lösung am besten passt, hängt unter anderem von der Lieferantenbeziehung, vorhandenen Forderungen, der Dauer der Finanzierungslücke, den erforderlichen Unterlagen, den Kosten und der Rückzahlungsfähigkeit ab.
Bei grenzüberschreitenden Einkäufen sollten Finanzierung, Währung und Zahlungsabwicklung gemeinsam betrachtet werden. SwissFx kann geeignete Unternehmen dabei unterstützen zu prüfen, ob eine Finanzierung von Lieferantenzahlungen zu einer konkreten Lieferantenrechnung und dem vorgesehenen Zahlungsweg passt.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschliesslich allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Finanz-, Rechts-, Steuer- oder Kreditberatung dar. Verfügbarkeit, Voraussetzungen, Kreditlimiten, Konditionen, Zinsen, Rückzahlungsfristen und die Genehmigung einzelner Transaktionen hängen von der jeweiligen Prüfung und den geltenden Bedingungen ab. Unternehmen sollten ihre individuelle Situation berücksichtigen und bei Bedarf professionelle Beratung in Anspruch nehmen.
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Besprechen Sie eine geeignete Lieferantenrechnung, die Zahlungswährung und den geplanten Rückzahlungstermin mit dem SwissFx-Team. Wir erklären Ihnen, welche Unterlagen benötigt werden und ob die Finanzierung für Ihr Unternehmen infrage kommt.