
Handel mit Polen: Praxisleitfaden für Zahlungen in CHF und PLN
Polen gehört zur EU, verwendet aber weiterhin den polnischen Złoty. Für Schweizer Unternehmen macht es einen Unterschied, ob in PLN, EUR oder CHF abgerechnet wird: Davon hängt ab, wo der Währungsumtausch stattfindet, wie die Zahlung abgewickelt wird und wer das Währungsrisiko trägt.
Praxisleitfaden
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Polen ist für Schweizer Unternehmen einer der wichtigsten Märkte in Mittel- und Osteuropa. Eine Rechnung aus Polen wird jedoch nicht automatisch in Euro gestellt. Unternehmen können Preise in polnischen Złoty (PLN), Euro oder Schweizer Franken vereinbaren. Diese Entscheidung beeinflusst den Zahlungsweg, den Zeitpunkt der Währungsumrechnung und damit auch, auf welcher Seite das Währungsrisiko liegt.
Polen gehört zur EU, aber nicht zum Euroraum und verwendet weiterhin den Złoty als Landeswährung
Polen ist seit 2004 Mitglied der Europäischen Union, gehört jedoch nicht zum Euroraum und verwendet weiterhin den Złoty als Landeswährung. Das bestätigt auch die Europäische Kommission. Für Unternehmen ist das vor allem in der Praxis wichtig: Der Euro kann im grenzüberschreitenden Handel zwar bequem sein, ist aber nicht unbedingt die Währung, in der ein polnischer Lieferant seine laufenden Kosten bezahlt oder ein Kunde seine Einnahmen erzielt.
Auch der Złoty selbst hat eine lange Geschichte. Der Name bedeutet auf Polnisch „golden“ und reicht in eine Geldtradition zurück, die deutlich älter ist als der heutige polnische Staat. Die polnische Zentralbank führt die Verwendung des Złoty bis ins späte Mittelalter zurück. Die aktuelle Triennial Survey der BIS auf Basis des Handels im April 2025 zeigt zudem, dass der polnische Złoty unter den grossen mittel- und osteuropäischen Währungen am stärksten gehandelt wird. Der durchschnittliche tägliche OTC-Devisenumsatz lag bei rund 74 Mrd. USD, verglichen mit 39 Mrd. USD beim ungarischen Forint und 36 Mrd. USD bei der tschechischen Krone.
Auch die Handelsbeziehungen mit der Schweiz sind bedeutend. Laut dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten ist Polen das wichtigste Exportziel der Schweiz in Mitteleuropa. Der bilaterale Warenhandel erreichte 2025 ohne Gold knapp 6,5 Mrd. CHF. Mehr als die Hälfte der Schweizer Exporte nach Polen entfällt auf Maschinen, elektrische Ausrüstungen und Metalle sowie auf die Chemie- und Pharmaindustrie.
Der Handel mit Ursprungswaren aus der Industrie wird zudem durch das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und der EU erleichtert. Es ermöglicht den zollfreien Handel mit qualifizierenden Industrieprodukten zwischen der Schweiz und der EU. Die Frage, in welcher Währung ein Geschäft abgerechnet und wie die Zahlung abgewickelt wird, bleibt davon jedoch unberührt.
PLN, EUR oder CHF? Entscheidend ist zunächst die Rechnungswährung
Die Rechnungswährung bestimmt, welche Partei den Währungsumtausch vornehmen muss und ab wann ein Währungsrisiko entsteht. Für einen Schweizer Importeur, dessen Mittel überwiegend in CHF verfügbar sind, ergeben sich je nach Rechnungswährung unterschiedliche Abläufe.
Rechnungswährung | Wahrscheinlicher Umtauschzeitpunkt | Wichtige Frage |
|---|---|---|
PLN | Der Schweizer Käufer tauscht CHF vor der Zahlung in PLN um | Welcher CHF/PLN-Kurs gilt und wann erfolgt der Umtausch? |
EUR | Der Schweizer Käufer tauscht möglicherweise CHF in EUR, der Lieferant später EUR in PLN | Behält oder verwendet der Lieferant die EUR tatsächlich in Polen? |
CHF | Der polnische Lieferant tauscht die erhaltenen CHF möglicherweise in PLN um | Wie berücksichtigt der Lieferant sein eigenes Währungsrisiko und die Umrechnungskosten im Preis? |
Eine Rechnung in PLN führt für den Schweizer Importeur zu einem direkten CHF/PLN-Währungsrisiko, bis die benötigten Złoty gekauft werden. Bei einer Rechnung in EUR liegt das sichtbare Währungsrisiko eher bei CHF/EUR, der polnische Lieferant muss die Einnahmen aber möglicherweise trotzdem noch in PLN umtauschen. Bei einer Rechnung in CHF verlagert sich ein grösserer Teil der Umrechnung auf den Lieferanten. Das Währungsrisiko verschwindet also nicht unbedingt, sondern liegt je nach Rechnungswährung bei einer anderen Partei.
Für einen Schweizer Exporteur gilt das Umgekehrte. Wird einem polnischen Kunden eine Rechnung in PLN gestellt, ist die Zahlung für ihn einfacher, während das Schweizer Unternehmen dem PLN-Währungsrisiko ausgesetzt bleibt, bis die Einnahmen gehalten, verwendet oder umgetauscht werden. Bei einer Rechnung in CHF oder EUR trägt der Kunde einen grösseren Teil dieses Risikos. Preis und Abrechnungswährung sollten deshalb immer gemeinsam verhandelt werden.
Eine Rechnung, verschiedene Zahlungswege
1. Zahlung in EUR: sinnvoll, wenn der Euro ohnehin Teil der Geschäftsbeziehung ist
Möglicher Zahlungsweg: CHF → EUR → Zahlung in EUR → Lieferant behält EUR oder tauscht EUR in PLN um.
Eine Rechnung in EUR kann sinnvoll sein, wenn der Lieferant selbst Einkäufe, Exporte oder Finanzierungen in Euro abwickelt. Je nach Kontokonstellation kann die Zahlung zudem über einen Euro-Zahlungsweg wie SEPA erfolgen. Benötigt der Lieferant die Mittel später jedoch für Löhne, Steuern oder andere laufende Kosten in Polen, kann nach dem Zahlungseingang trotzdem noch eine Umrechnung in PLN nötig sein.
Tipp: Der Käufer sollte deshalb die Konditionen des Lieferanten in EUR und PLN direkt vergleichen, statt davon auszugehen, dass eine Zahlung in EUR automatisch einfacher oder günstiger ist.
2. Zahlung in CHF: einfach für den Käufer, aber möglicherweise mit Umrechnung beim Lieferanten
Möglicher Zahlungsweg: CHF → polnischer Lieferant → mögliche Umrechnung von CHF in PLN.
Eine Rechnung in CHF erspart dem Schweizer Käufer zunächst den Währungsumtausch. Der polnische Lieferant entscheidet anschliessend selbst, wann und wo er die erhaltenen CHF in PLN umtauscht. Trägt er dabei Umrechnungskosten oder ein Wechselkursrisiko, kann sich das im angebotenen Preis oder in den Zahlungsbedingungen widerspiegeln.
Tipp: Das hängt von den jeweiligen Konditionen ab. Angebote in CHF und PLN sollten deshalb auf derselben Grundlage verglichen werden.
3. Zahlung in PLN: direkt umtauschen und lokal überweisen
Möglicher Zahlungsweg: CHF → PLN → lokale PLN-Zahlung → Gutschrift beim Lieferanten in PLN.
SwissFx unterstützt derzeit lokale und internationale Zahlungen und Zahlungseingänge in PLN. Ein Schweizer Unternehmen kann CHF in PLN umtauschen, das Guthaben halten und die Zahlung anschliessend über einen lokalen PLN-Zahlungsweg ausführen. So ist besser nachvollziehbar, welcher Betrag dem Lieferanten in seiner Landeswährung gutgeschrieben wird, und eine zusätzliche Umrechnung nach dem Versand der Zahlung kann vermieden werden.
Tipp: PLN ist nicht automatisch günstiger als EUR oder CHF
Entscheidend sind der Preis des Lieferanten, alle Währungsumrechnungen und Wechselkursmargen, mögliche Zahlungsgebühren oder Abzüge sowie der Betrag, der am Ende tatsächlich gutgeschrieben wird.
PLN-Einnahmen? Betrachten Sie Ein- und Auszahlungen gemeinsam
Möglicher Zahlungsweg: Polnischer Kunde → lokale Zahlung in PLN → Zahlungseingang in PLN → halten, verwenden oder umtauschen.
Für einen Schweizer Exporteur mit Kunden in Polen stellt sich die Zahlungsfrage in umgekehrter Richtung. Bei lokalen Zahlungseingängen in PLN kann der Kunde in seiner Landeswährung bezahlen, während das Schweizer Unternehmen den Betrag auf einem Multi-Währungskonto in PLN erhält. Anschliessend kann es die Mittel in CHF umtauschen, für einen späteren Umtausch halten oder für wiederkehrende Ausgaben in PLN verwenden.
Wer Ein- und Auszahlungen gemeinsam betrachtet, kann unnötige Hin- und Her-Umrechnungen vermeiden.
Werden PLN-Einnahmen und PLN-Ausgaben getrennt verwaltet, kann es passieren, dass eingehende PLN zunächst in CHF umgetauscht und später für Lieferantenzahlungen erneut PLN gekauft werden.
Beispiel: 500'000 PLN-Einnahmen und 800'000 PLN-Lieferantenkosten
Angenommen, ein Schweizer Hersteller zahlt pro Quartal rund 800'000 PLN an einen polnischen Zulieferer und nimmt gleichzeitig etwa 500'000 PLN von polnischen Kunden ein.
Wenn das Unternehmen die 500'000 PLN behält und direkt für die Lieferantenzahlung nutzt, muss es nur noch die verbleibenden 300'000 PLN aus CHF finanzieren. Das ist eine Form der natürlichen Absicherung: Ein- und Auszahlungen in derselben Währung gleichen einen Teil des gesamten Währungsrisikos aus.
Das verbleibende Nettowährungsrisiko verschwindet dadurch allerdings nicht. Zudem funktioniert diese Strategie nur, wenn Beträge und Zahlungstermine ausreichend zusammenpassen.
Das verbleibende CHF/PLN-Währungsrisiko steuern
Im obigen Beispiel muss das Unternehmen nicht die gesamten 800'000 PLN absichern, sondern nur den verbleibenden Fehlbetrag von 300'000 PLN. Steht die Zahlung unmittelbar bevor, kann ein Kassageschäft passend sein.
Verfügt das Unternehmen bereits über PLN-Guthaben, kann es dieses nutzen.
Stehen Betrag und Zahlungstermin ausreichend sicher fest, kann geprüft werden, ob ein Devisentermingeschäft mit Lieferung zur Transaktion passt.
Mit einem Devisentermingeschäft mit Lieferung lässt sich der Wechselkurs für eine künftige CHF/PLN-Umrechnung im Voraus festlegen. Das schafft mehr Planungssicherheit, bleibt aber auch dann verbindlich, wenn sich der Markt später zugunsten des Unternehmens entwickelt. SwissFx bietet PLN als eine der Währungen für Devisentermingeschäfte mit Lieferung an. Die Lösungen zur Währungsabsicherung sind an bestimmte Voraussetzungen gebunden und hängen unter anderem von der Sicherheit des zugrunde liegenden Geschäfts und der gewählten Struktur ab.
Nicht nur die Überweisungsgebühr vergleichen
Die niedrigste sichtbare Überweisungsgebühr führt nicht automatisch zum besten Ergebnis. Der Vergleich sollte beim Preis des Lieferanten oder Kunden beginnen und dann alle Umrechnungen und Zahlungsschritte berücksichtigen.
Bietet der polnische Lieferant unterschiedliche Preise in PLN, EUR und CHF an, sollten diese zunächst direkt verglichen werden. Erst danach kommen Wechselkurs- und Zahlungskosten auf Schweizer Seite hinzu.
PLN-Zahlungen und Zahlungseingänge gemeinsam steuern
Welche Lösung für Schweizer Unternehmen im Handel mit Polen am besten passt, hängt davon ab, wo der Währungsumtausch stattfindet, wer das Währungsrisiko trägt und ob PLN-Einnahmen direkt für lokale Zahlungen genutzt werden können.
Wer PLN-Ein- und Auszahlungen aufeinander abstimmt, kann den Betrag reduzieren, der tatsächlich aus CHF umgetauscht werden muss. Übrig bleibt dann nur das verbleibende CHF/PLN-Währungsrisiko.
Mit SwissFx können Unternehmen CHF, EUR und PLN über ein Multi-Währungskonto verwalten. Lokale Zahlungen und Zahlungseingänge in PLN gehören ebenfalls zu den unterstützten Währungen und Zahlungswegen. Wenn es zur jeweiligen Situation passt und die Voraussetzungen erfüllt sind, können Unternehmen gemeinsam mit ihrem festen Ansprechpartner auch Möglichkeiten zur Absicherung künftiger CHF/PLN-Zahlungen prüfen.
Dieser Artikel dient ausschliesslich allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Finanzberatung dar. Lösungen zur Währungsabsicherung unterliegen den jeweiligen Voraussetzungen, der Verfügbarkeit und dem zugrunde liegenden Geschäft.
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