
Wie können KMU Währungsschwankungen in Schwellenländern steuern?
Wechselkursschwankungen können die endgültigen Kosten eines Geschäfts in einem Schwellenland zwischen Vertragsabschluss und Zahlung deutlich verändern.
Praxisleitfaden
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Ein Schweizer KMU bestellt Waren bei einem Lieferanten in Indien, Brasilien oder China. Die Rechnung wird in der jeweiligen Landeswährung ausgestellt, die Zahlung ist jedoch erst in zwei oder drei Monaten fällig. Der Betrag in der Fremdwährung steht fest, die endgültigen Kosten in Schweizer Franken dagegen noch nicht.
Verändert sich der Wechselkurs bis zum Zahlungstermin, kann das Unternehmen für dieselbe Rechnung mehr CHF benötigen als ursprünglich eingeplant. Das wirkt sich auf den Liquiditätsbedarf, die Einkaufskosten und unter Umständen auch auf die erwartete Bruttomarge aus.
Wechselkursentwicklungen lassen sich nicht zuverlässig vorhersagen. Dieser Leitfaden zeigt jedoch, wie KMU ihr Währungsrisiko einschätzen, in der Budgetplanung berücksichtigen und geeignete Möglichkeiten zur Steuerung prüfen können.
Sind Schwellenländerwährungen tatsächlich volatiler?
Nicht jede Schwellenländerwährung schwankt grundsätzlich stärker als etablierte Hauptwährungen. Der Begriff umfasst Währungen mit sehr unterschiedlichen Marktstrukturen, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Wechselkurssystemen.
Einige Währungen werden frei gehandelt und verfügen über eine vergleichsweise hohe Liquidität. Andere weisen geringere Handelsvolumen auf, sind ausserhalb ihres Heimatmarktes nur eingeschränkt verfügbar oder unterliegen Vorgaben für den Währungsumtausch. Eine von der Zentralbank eng gesteuerte Währung kann über längere Zeit stabil bleiben, während sich eine andere von Tag zu Tag freier bewegt.
Verändern sich jedoch die wirtschaftlichen, politischen oder marktbezogenen Bedingungen, können manche Schwellenländerwährungen stärkere oder plötzlichere Kursschwankungen verzeichnen.
Mögliche Einflussfaktoren sind:
Veränderungen bei Inflation oder Zinssätzen
politische oder regulatorische Entscheidungen
eine starke Abhängigkeit von Rohstoffexporten
Veränderungen internationaler Kapitalströme
geringere Liquidität in angespannten Marktphasen
Eingriffe der Zentralbank oder Anpassungen der Devisenkontrollen
Volatilität lässt sich steuern, statt sie vollständig zu vermeiden
Entscheidend ist nicht, ob jede Schwellenländerwährung besonders starken Schwankungen unterliegt. Vielmehr sollten Unternehmen prüfen, ob eine realistische Wechselkursbewegung in der betreffenden Währung die Kosten einer Transaktion, den Cashflow oder die erwartete Bruttomarge spürbar beeinflussen könnte.
Warum sind Wechselkursschwankungen für KMU oft schwerer aufzufangen?
Wie stark sich eine Wechselkursbewegung auf ein Unternehmen auswirkt, hängt vom jeweiligen Geschäft ab. Kritisch wird es zum Beispiel, wenn ein KMU den Verkaufspreis bereits in CHF festgelegt hat, die Rechnung des ausländischen Lieferanten aber erst später bezahlt. Wertet die Währung des Lieferanten bis dahin auf, steigen die Einkaufskosten, während der vereinbarte Umsatz gleich bleibt.
Auch der Zeitraum bis zur Zahlung spielt eine Rolle. Je mehr Zeit zwischen Vertragsabschluss und Rechnungsbegleichung liegt, desto grösser ist das Risiko, dass sich der Wechselkurs verändert. Bei Anzahlungen, Teilzahlungen und Schlussrechnungen können zudem mehrere separate Risikoperioden entstehen.
Bei Schwellenländerwährungen kommen häufig weitere Besonderheiten hinzu:
Ein direkter Währungstausch mit CHF ist nicht immer ausreichend liquide. Die Umrechnung kann deshalb über EUR oder USD erfolgen.
Nicht für jede Währung stehen dieselben Möglichkeiten zur Steuerung des Währungsrisikos zur Verfügung.
Inlands- und Offshore-Märkte können unterschiedlich funktionieren, wie beispielsweise in China.
Devisenkontrollen und lokale Vorschriften können beeinflussen, wann und auf welchem Weg eine Zahlung ausgeführt werden kann.
Unternehmen sollten das Währungsrisiko deshalb immer zusammen mit den vertraglichen Bedingungen, den Zahlungsfristen und dem konkreten Zahlungsweg beurteilen.
Wie können KMU Wechselkursschwankungen in ihrer Budgetplanung berücksichtigen?
Bevor eine zukünftige Zahlung in Fremdwährung fällig wird, muss ein Unternehmen abschätzen, wie hoch die Kosten in der eigenen Währung ausfallen könnten. Dafür ist ein Budgetwechselkurs hilfreich.
Der Budgetwechselkurs ist ein interner Planungswert, mit dem ein erwarteter Fremdwährungsbetrag in CHF umgerechnet wird. Er kann beispielsweise bei der Budgetierung, der Festlegung eines Verkaufspreises oder der Berechnung der erwarteten Bruttomarge verwendet werden. Dabei handelt es sich um eine Planungsannahme und nicht um den aktuellen Marktkurs.
Ist zum Beispiel eine Lieferantenrechnung in Indischen Rupien erst in drei Monaten fällig, kann das Unternehmen den gewählten Budgetwechselkurs verwenden, um die voraussichtlichen Kosten in CHF zu berechnen. Da dieser Kurs Einfluss auf Preise, Liquiditätsplanung und geschäftliche Entscheidungen haben kann, sollte dokumentiert werden, wie und wann er festgelegt wurde und in welchen Berechnungen er zum Einsatz kommt.
Budgetwechselkurs berechnen
Der Budgetwechselkurs lässt sich berechnen, indem der für die Zahlung eingeplante Höchstbetrag in CHF durch den fälligen Betrag in der Fremdwährung geteilt wird:
Budgetwechselkurs = budgetierter Betrag in CHF ÷ Fremdwährungsbetrag
Ein Beispiel: Ein Unternehmen muss 10’000’000 INR bezahlen und hat dafür 105’000 CHF eingeplant. 105’000 CHF ÷ 10’000’000 INR = 0,0105 CHF pro INR.
Mehrere Szenarien testen
Anschliessend kann das Unternehmen berechnen, wie sich die Transaktion bei unterschiedlichen Wechselkursentwicklungen auswirkt.
Szenario | Zweck | Was sollte geprüft werden? |
|---|---|---|
Budgetszenario | Zeigt das erwartete Ergebnis auf Grundlage des im Budget verwendeten Wechselkurses. | Erwartete Kosten in CHF und voraussichtliche Bruttomarge |
Negativszenario | Prüft die Auswirkungen einer moderaten Wechselkursbewegung zulasten des Unternehmens. | Zusätzlicher Liquiditätsbedarf und Rückgang der erwarteten Bruttomarge |
Stressszenario | Zeigt die Folgen einer stärkeren Wechselkursbewegung. | Ab welchem Punkt die zusätzlichen Kosten nur noch schwer aufzufangen sind oder eine Preisanpassung erforderlich wird |
Die Szenarien müssen nicht kompliziert sein. Sie sollen vor allem zeigen, wie stark das wirtschaftliche Ergebnis vom Wechselkurs abhängt. Auf dieser Grundlage lassen sich unter anderem folgende Fragen beantworten:
Welche zusätzlichen Kosten kann das Unternehmen auffangen?
Ab welchem Punkt wäre die erwartete Bruttomarge nicht mehr akzeptabel?
Müssten Verkaufspreis, Zahlungsplan oder Einkaufsentscheidung angepasst werden?
Ist das Währungsrisiko gross genug, um den Einsatz eines Instruments zur Risikosteuerung zu prüfen?
Was kann ein Unternehmen anpassen, bevor es eine Währungsabsicherung in Betracht zieht?
Je nach Geschäft lassen sich Unsicherheiten bereits durch Anpassungen bei den vertraglichen oder operativen Abläufen reduzieren.
Mögliche Massnahmen sind:
Angebote sowohl in der Landeswährung des Lieferanten als auch in einer gängigen internationalen Währung einholen
eine Anzahlung oder gestaffelte Zahlungen vereinbaren
den Zeitraum zwischen Auftragsbestätigung und Zahlung verkürzen
die Gültigkeitsdauer eigener Kundenangebote reduzieren
Zahlungseingänge oder vorhandene Guthaben in derselben Währung für die Begleichung nutzen
prüfen, ob Preise angepasst werden können, wenn sich der Wechselkurs über ein vereinbartes Niveau hinaus verändert
bereits bestätigte Bestellungen klar von noch unsicheren Einkäufen trennen
Ein Angebot in USD oder EUR anzunehmen, beseitigt das Währungsrisiko allerdings nicht automatisch. Der Lieferant kann seine eigenen Umrechnungskosten oder Risikoaufschläge bereits in den Preis eingerechnet haben.
Wann können ein Devisentermingeschäft oder ein Devisentermingeschäft ohne Lieferung sinnvoll sein?
Wenn das verbleibende Währungsrisiko das Geschäft spürbar beeinflussen könnte, kann ein Unternehmen den Einsatz eines geeigneten Instruments zur Risikosteuerung prüfen.
Devisentermingeschäft mit Lieferung
Mit einem Devisentermingeschäft mit Lieferung kann ein Unternehmen den Wechselkurs für einen Währungsumtausch festlegen, der zu einem späteren Zeitpunkt oder innerhalb eines vereinbarten Zeitraums stattfindet.
Das schafft mehr Planungssicherheit über die künftigen Kosten in CHF, sofern Betrag und Zahlungszeitpunkt ausreichend genau feststehen.
Unternehmen sollten jedoch beachten, dass der vereinbarte Kurs auch dann verbindlich bleibt, wenn sich der Markt später zu ihren Gunsten entwickelt. Ändert sich das zugrunde liegende Geschäft, muss das Termingeschäft möglicherweise angepasst oder vorzeitig beendet werden. Dadurch können zusätzliche Kosten entstehen.
Devisentermingeschäft ohne Lieferung
Bei manchen Schwellenländerwährungen ist eine Lieferung über ein klassisches Devisentermingeschäft nicht möglich oder ein Devisentermingeschäft ohne Lieferung bietet die passendere Struktur zur Absicherung.
Dabei steuert das Unternehmen die Auswirkungen einer künftigen Zahlung oder eines Zahlungseingangs auf die Kosten in CHF, ohne dass die betreffende Schwellenländerwährung im Rahmen des Absicherungsgeschäfts tatsächlich geliefert wird. Bei Fälligkeit wird der vereinbarte Terminkurs mit einem festgelegten Referenzkurs verglichen. Die daraus entstehende Differenz wird anschliessend in einer anderen gängigen Währung ausgeglichen. Die eigentliche Zahlung aus dem zugrunde liegenden Geschäft wird separat abgewickelt.
Ein Devisentermingeschäft ohne Lieferung kann daher sinnvoll sein, wenn lokale Umtauschvorschriften oder Marktbedingungen die Lieferung der Währung im Rahmen der Absicherung einschränken.
SwissFx bietet Devisentermingeschäfte mit Lieferung für ausgewählte Schwellenländerwährungen sowie Devisentermingeschäfte ohne Lieferung unter anderem für die Indische Rupie, den Brasilianischen Real, den chinesischen Renminbi im Onshore-Markt, den Südkoreanischen Won und den Südafrikanischen Rand an.
SwissFx-Lösungen zur Steuerung von Währungsrisiken bei ausgewählten Schwellenländerwährungen im Vergleich, Stand Mai 2026
Währung | Devisentermingeschäft mit Lieferung: Kauf | Devisentermingeschäft mit Lieferung: Verkauf | Devisentermingeschäft ohne Lieferung: Kauf | Devisentermingeschäft ohne Lieferung: Verkauf |
|---|---|---|---|---|
Brasilianischer Real (BRL) | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ |
Chinesischer Renminbi, Onshore (CNY) | ✓ | — | ✓ | ✓ |
Chinesischer Renminbi, Offshore (CNH) | ✓ | ✓ | — | — |
Indische Rupie (INR) | ✓ | — | ✓ | ✓ |
Mexikanischer Peso (MXN) | ✓ | ✓ | — | — |
Südafrikanischer Rand (ZAR) | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ |
Türkische Lira (TRY) | ✓ | ✓ | — | — |
Indonesische Rupiah (IDR) | ✓ | — | ✓ | ✓ |
Südkoreanischer Won (KRW) | ✓ | — | ✓ | ✓ |
Polnischer Zloty (PLN) | ✓ | ✓ | — | — |
VAE-Dirham (AED) | ✓ | ✓ | — | — |
Vietnamesischer Dong (VND) | ✓ | — | ✓ | ✓ |
Thailändischer Baht (THB) | ✓ | ✓ | — | — |
Wichtig: Welche Instrumente verfügbar sind und in welche Richtung ein Geschäft abgeschlossen werden kann, hängt von der jeweiligen Währung ab und muss für jedes Währungsrisiko einzeln geprüft werden. Eine Absicherung soll Unsicherheit reduzieren. Sie garantiert jedoch nicht, dass das Unternehmen im jeweiligen Zeitraum den günstigsten verfügbaren Wechselkurs erhält.
Wie kann ein KMU eine schwankungsanfällige Lieferantenzahlung in der Praxis steuern?
Beispiel: Ein Schweizer Importeur bezahlt einen indischen Lieferanten
Ein Schweizer KMU bezieht Komponenten von einem Lieferanten in Indien. Die Rechnung wird in Indischen Rupien ausgestellt. Eine Anzahlung ist bei Auftragsbestätigung fällig, der Restbetrag 90 Tage später.
Den Verkaufspreis der fertigen Produkte hat das Unternehmen bereits in Schweizer Franken festgelegt. In der Kalkulation sind deshalb ein angenommener INR/CHF-Wechselkurs und eine erwartete Bruttomarge berücksichtigt.
Das Finanzteam berechnet zunächst die voraussichtlichen Kosten in CHF auf Basis des Budgetwechselkurses. In einem zweiten Szenario wird eine moderate Wechselkursbewegung zulasten des Schweizer Frankens durchgespielt. Ein drittes Szenario zeigt die Auswirkungen einer stärkeren Kursveränderung.
Im moderaten Negativszenario steigen die Einkaufskosten, bleiben aber noch innerhalb des vom Unternehmen akzeptierten Rahmens. Im Stressszenario würde die erwartete Bruttomarge für den bereits bestätigten Auftrag dagegen unter den von der Geschäftsleitung festgelegten Mindestwert fallen.
Anschliessend prüft das Unternehmen, ob sich das Währungsrisiko durch operative Massnahmen reduzieren lässt. Es verfügt weder über Einnahmen noch über Guthaben in INR. Eine vorgezogene Zahlung des Restbetrags würde zudem die Liquidität unnötig belasten.
Das Unternehmen erkundigt sich deshalb bei seinem Anbieter, welche Instrumente zur Steuerung des Währungsrisikos für den bestätigten Restbetrag zur Verfügung stehen. Je nach Transaktionsrichtung, Betrag, Laufzeit und zugrunde liegendem Geschäft kann ein Devisentermingeschäft ohne Lieferung für INR infrage kommen.
Die eigentliche Zahlung an den Lieferanten in INR muss weiterhin separat von der Abrechnung des Devisentermingeschäfts ohne Lieferung ausgeführt werden.
Was sollte ein KMU prüfen, bevor es sich für eine Vorgehensweise entscheidet?
Wie unterstützt SwissFx Unternehmen beim Umgang mit Währungsrisiken in Schwellenländern?
SwissFx ermöglicht internationale Zahlungen und Währungsumtausch in mehr als 140 Währungen. Für ausgewählte Schwellenländerwährungen stehen zudem Lösungen zur Steuerung des Währungsrisikos zur Verfügung, darunter Devisentermingeschäfte mit Lieferung und Devisentermingeschäfte ohne Lieferung.
Welche Lösung infrage kommt, hängt vom jeweiligen Währungsrisiko ab. Gemeinsam mit Ihrem Unternehmen kann SwissFx unter anderem folgende Punkte prüfen:
Währung, Betrag und Zahlungsplan
Budgetannahmen und Risikobereitschaft des Unternehmens
Verfügbarkeit von Devisentermingeschäften mit oder ohne Lieferung
Abstimmung zwischen Absicherung, Währungsumtausch und Lieferantenzahlung
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient ausschliesslich allgemeinen Informationszwecken. Er stellt weder eine Finanzberatung noch eine Empfehlung für den Abschluss einer bestimmten Transaktion dar. Ob eine Lösung zur Steuerung des Währungsrisikos geeignet ist, hängt von der individuellen Situation des Unternehmens ab.
Währungsschwankungen müssen Unternehmen nicht davon abhalten, in Schwellenländern tätig zu werden.
Eine strukturierte Analyse hilft dabei, die möglichen Auswirkungen besser einzuschätzen und eine Vorgehensweise zu wählen, die zu den geschäftlichen Zielen und Prioritäten des Unternehmens passt.
Lassen Sie Ihr Währungsrisiko in Schwellenländern prüfen
Steht bei Ihnen eine Zahlung in einer Schwellenländerwährung an? Unser Team unterstützt Sie dabei, die möglichen Auswirkungen von Wechselkursbewegungen auf die Transaktion einzuschätzen und passende Möglichkeiten zur Steuerung des Währungsrisikos zu prüfen.